Streifen im Photodruck
von Andreas Haberl

Das Gerücht, der Canon i865, würde unter bestimmten Voraussetzungen Steifen im Ausdruck erzeugen, hält sich hartnäckig in diversen Usenet- und Internet-Foren. Die Art der Auseinandersetzung zwischen den Diskussionsteilnehmern erinnert z. T. an Glaubenskriege wie die legendären Zwistigkeiten unter den 8-Bit- (C64 vs. Atari) und 16-Bit-Systemen (Amiga contra Atari ST), oder die aktuelleren Animositäten zwischen Mac-, Intel-, AMD-, Windows- und Linux-Anwendern.

Viele derjenigen, die über Streifen klagen, würden dem i865 am liebsten jegliche Existenzberechtigung absprechen. Mit missionarischem Eifer wird allen Interessenten dieses Modells dringendst davon abgeraten. Anwendern, die ein Streifenproblem nicht bestätigen können, wird Anspruchslosigkeit oder mangelnde Sehschärfe vorgeworfen, oder am besten beides zusammen.

Das andere Lager der Anwender, das kein Problem mit Streifen im Ausdruck feststellen kann, rückt das angebliche Problem gerne in das Reich der Fabelwesen.

Aufs neue angeheizt wird diese Diskussion durch den Pixma iP4000. Auch dem neuen Nachfolgemodell des i865 wird der Hang zur Streifenbildung nachgesagt.

Entwarnung

Die Zahl der Anwender mit Problemen ist eher gering. Nur die Häufigkeit und Vehemenz, mit der sie auf diese Thematik hinweisen, läßt das Problem größer erscheinen, als es vermeintlich ist.

Filtert man sämtliche Polemik aus den bisherigen Diskussionen raus, ergibt sich folgendes Bild. Sämtliche Berichte über Streifenbildung beim i865 beziehen sich auf Foto- oder Grafikdruck auf manchen Sorten Normalpapier mit der Einstellung der Druckqualität auf Entwurf oder Normal. Dem gegenüber stehen aber unzählige Berichte von (zufriedenen) Anwendern, die ebenfalls bei Normalpapier und normaler, bzw. Entwurfsqualität keinerlei Beanstandungen zu vermelden haben.

Bis hierhin ist meiner Meinung nach dem ganzen Thema, wenn überhaupt, nur geringe Bedeutung zu zumessen. Stellt man die Druckqualität auf hoch, oder verwendet man halbwegs vernünftiges Papier, dann sollten auch keinerlei Probleme auftreten. Und geeignetes Papier heißt auch nicht zwangsläufig, dass es sich dabei um teures Canon Originalpapier handeln muss (siehe Papier-Vergleichstest).

Neue Probleme

Letztlich erscheinen aber Berichte, der iP4000 würde auch beim Fotodruck auf hochwertigem Photopapier Streifen generieren. Das Problem würde aber nur bei einer verschwindend geringen Zahl von Motiven zu Tage treten. Selbst auf www.druckerchannel.de wird im Testbericht zum iP4000 eine leichte Steifenbildung erwähnt, die aber auf dem eingescannten Motiv nicht nach zu vollziehen ist.

Auch wenn Canon den iP4000 mit einer neuen Druckkopf-Technologie namens FINE (Full-photolithography Inkjet Nozzle Engineering) bewirbt, darf davon ausgegangen werden, dass der Löwenanteil der Neuerung gegenüber dem Druckkopf des i865 auf das Marketing zurück geht. Folglich gehe ich bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass der i865 und der iP4000 identische Druckergebnisse produzieren.

Obige Berichte sind für mich insofern überraschend, da ich den i865 seit mehr als einem Jahr intensiv zum Fotodruck einsetze und bislang keinerlei Probleme bezüglich Qualität feststellen konnte. Um der Sache also ein für alle mal auf den Grund zu gehen, hat mir ein betroffener Anwender des iP4000 eine Fotodatei zur Verfügung gestellt, die beim Druck Streifen produzieren soll, und mit der ich auf dem i865 das Problem nach zu vollziehen versuche.

Rahmenbedingungen

Für den Test werden ausschließlich Original-Patronen von Canon eingesetzt um mögliche Effekte, die auf Fremdtinte zurückzuführen wären, von vornherein auszuschließen. Als Papier kam Unicorn Photo Glossy im Format 10x15 zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein sehr kostengünstiges, aber qualitativ durchaus überzeugendes Papier, das im bisherigen Einsatz keine Probleme bereitete (siehe Papier-Vergleichstest). Das Testfoto liegt im JPEG-Format in einer Auflösung von 1.360 x 1.024 Pixel vor.

Test

Der erste Druck wird mit dem zum Lieferumfang des i865 gehörenden Tool "Canon Easy Photoprint" erzeugt. An Einstellungen kann neben dem Papierformat (4x6") lediglich der Papiertyp (Foto Glanzpapier) eingestellt werden. Die restlichen Einstellungen führt die Anwendung selbstständig im Hintergrund aus.

Im Ergebnis sind deutliche Streifen im linken Bereich des Fotos zu erkennen. Auch eine Aktivierung der versteckten Option "Streifen in schwarzen Flächen beim Drucken auf Normalpapier eliminieren" im Druckertreiber bringt keine Änderung.

Die Streifen sind eindeutig zu erkennen, wenn man die betroffene Region genau untersucht, also z.B. im Abstand von ca. 10cm betrachtet. Bei einem normalen Betrachtungsabstand von ca. 30-40cm, sind die Streifen bestenfalls zu erahnen (und das auch nur deshalb, da man sich der Existenz bewusst ist). Damit soll das Thema nicht kleingeredet werden. Es soll nur einen Eindruck vermittelt werden, wie »deutlich« diese Streifen sind.

Einen zweiten Referenz-Print produziert die Anwendung Paintshop Pro 8. Die Einstellungen bzgl. Papierformat und -qualität sind identisch zum ersten Durchgang (4x6", bzw. Foto Glanzpapier). Zusätzlich wird aber im Treiber die Druckqualität auf "Hoch" gesetzt und die Bildoptimierer "Image Optimizer" sowie "Photo Optimizer PRO" aktiviert.

Im Ergebnis sind keine Streifen mehr zu erkennen!

Streifen im Ausdruck
Im Blattwerk links neben Trixi treten Streifen auf.
Klicken Sie auf das Bild für eine Vergrößerung.
 
Streifenfrei
Klicken Sie auf das Bild für eine Vergrößerung des betroffenen Ausschnitts
Fazit

Der i865 und somit wohl auch der iP4000 produzieren unter bestimmten Voraussetzungen auch im Fotodruck auf hochwertigem Papier Streifen.

Allerdings sind diese Streifen mittels Einstellungen im Treiber zu eliminieren.

Welche Einstellungen jetzt konkret den Ausschlag geben, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Bei Gelegenheit wird die diesbezügliche Testreihe aber fortgeführt und über die Ergebnisse hier berichtet.

Wer sicher gehen will, sollte auf alle Fälle sicherstellen, dass die Druckqualität "Hoch" eingestellt ist.