Refill
von Andreas Haberl

Selbst wenn Drucker wie der Canon i865, bzw. der Pixma iP4000 ohnehin günstig im Vergleich der Tintenkosten sind, läßt sich noch mehr sparen, wenn man statt Originaltinte von Canon kompatible Tinte einsetzt. Einsparungen um 70% bis 80% sind durchaus zu erwarten.

Neben der Möglichkeit, fertige Patronen von Fremdherstellern einzusetzen, beschreibt dieser Artikel das Wiederbefüllen, auch Refill genannt, originaler Canon-Patronen des Typs BCI-6, bzw. BCI-3e.

Der Artikel basiert auf der in der Refill-FAQ von Enderlin beschriebenen Vorgehensweise, die von mir verifiziert und teilweise ergänzt wurde.

Funktionsprinzip

Bevor es an das Wiederbefüllen der Patrone geht, erst etwas Theorie zum Funktionsprinzip am Beispiel der BCI-6 Patrone. Die BCI-3e Patronen funktionieren nach dem selben Prinzip.

Die BCI-6 Patronen bestehen aus zwei Kammern, der Schwammkammer (A) und der Vorratskammer (B). Zwischen den beiden Kammern gibt es eine Verbindung (C). In der Schwammkammer befinden sich zwei Schwämme, von denen nur der untere vollständig mit Tinte gesättigt ist. Beide Schwämme dienen einem ausgeklügelten System der Flußregulierung und Unterdrucksteuerung. Unter der Schwammkammer befindet sich die Auslassöffnung (D), durch die Tinte in den Druckkopf nachfließen kann. Der Deckel über der Schwammkammer enthält einen labyrinthartigen Belüftungskanal (E)

Die Vorratskammer enthält den Tintenvorrat. Über ihr erkennt man die ursprüngliche, mittels Kugel verschlossene Öffnung (F) für die werksseitige Erstbefüllung. Von außen ist das leider nicht zu erkennen, da diese Öffnung durch das Etikett verdeckt ist. Unten in der Vorratskammer befindet sich ein Prisma (G), das zur Füllstandserkennung verwendet wird, wobei das Prisma nur signalisieren kann, ob die Vorratskammer leer oder eben nicht leer ist. Meldet das Prisma eine leere Vorratskammer, signalisiert der Druckertreiber eine »fast leere« Patrone - es ist ja noch Tinte im unteren Schwamm der Schwammkammer. Dessen Tintengehalt kann der Drucker nur schätzen, d.h. sobald die Vorratskammer leer ist, beginnt der Drucker die Anzahl der Seiten mitzuzählen und nimmt ab einer bestimmten Seitenzahl an, dass der Schwamm nun auch nahezu leer sein müsse und meldet im Treiber eine »leere Patrone«.

Die Patrone enthält also zwei Öffnungen (D und E), wobei der Belüftungskanal (E) einer originalverpackten, also eingeschweissten Patrone von der Folie verschlossen wird. Somit herrscht Unterdruck in der Patrone, welcher die Tinte am Ausfließen hindert. Entfernt man die Verpackungsfolie wird ein Teil des Belüftungskanal offen gelegt, was ein nachströmen von Luft in die Patrone ermöglicht. Die beiden Schwämme verhindern aber ein unkontrolliertes nachströmen der Luft und sorgen für ein Gleichgewicht zwischen Schwerkraft (die Tinte will nach unten ausfließen) und Unterdruck. Spritzt der Druckkopf Tinte auf das Papier trocknet der untere Schwamm etwas aus. Aus der Vorratskammer fließt entsprechend Tinte in die Schwammkammer bis der untere Schwamm wieder gesättigt ist. Über den Belüftungskanal gelangt im Ausgleich Luft durch die Schwammkammer in die Vorratskammer.

Dieses Funktionsprinzip ist für das Wiederbefüllen einer Patrone insofern von Bedeutung, da zum Einfüllen der Tinte ein zusätzliches Loch in die Patrone gebohrt werden muss. Damit dieses Loch aber den notwendigen Unterdruck in der Patrone nicht zerstört, ist es äußerst wichtig dieses Loch nach dem Befüllen absolut Luftdicht zu verschließen.

Aufbau Patrone
Der Aufbau einer Patrone BCI-6
Vorspiel

Bevor man loslegt, sollte man sich erstmal alle notwendigen Utensilien bereitlegen:

  • Tinte
  • Spritze samt Kanüle
  • Heißklebepistole
  • Akkubohrer
  • Handschuhe
  • Tesafilm
  • Universal-Clip (optional)
  • alte Zeitung als Unterlage
  • kleine Schüssel

Ich empfehle grundsätzlich das Tragen von Handschuhen. Man glaubt gar nicht, wie schnell man sich mit Tinte die Finger vollsauen kann.

Die von mir beschriebene Methode sieht vor, das Loch, durch das die Patrone befüllt wird, im Anschluß mit Heißkleber zu verschließen. Es ist von entscheidender Wichtigkeit, das Loch absolut luftdicht zu verschließen, denn sollte das nicht gelingen, wird die Tinte aus der Patrone auslaufen. Im besten Fall sofort, im schlechten Fall erst nachdem die Patrone wieder in den Drucker eingesetzt wird, was dann einen vollgesauten Druckkopf bedeutet. Die sicherste und gleichzeitig einfachste Methode, ist die Verwendung von Heißkleber. Bevor man mit dem Wiederbefüllen beginnt, sollte sichergestellt sein, dass die Heißklebepistole aufgeheizt ist.

Bevor man das erste mal ein Loch in eine leere Patrone bohrt, oder ein bereits vorhandenes Bohrloch wieder öffnet, sollte man ein anderes verschließen. Genauer gesagt handelt es sich dabei um kein Loch, sondern um einen Belüftungskanal, der sich oben, über der Schwammkammer der Patrone befindet. Im Betrieb ist es von enormer Bedeutung, dass dieser Kanal offen ist, denn nur so kann Tinte aus der Patrone in den Druckkopf fließen. Während des Wiederbefüllens vereinfacht es die Sache aber ungemein, wenn dieser Belüftungskanal mit einem Streifen Tesafilm abgeklebt wird. Dadurch wird verhindert, dass sich die Schwammkammer zu sehr mit Tinte vollsaugt. Denn wenn man sich eine neue, volle Patrone ansieht, stellt man fest, dass in der Schwammkammer nur die untere Hälfte des Schwammes mit Tinte richtig vollgesogen ist.

Die Austrittsöffnung der Tinte läßt sich am einfachsten mit Clips verschließen, die es z.B. bei Enderlin zu beziehen gibt. Der Einsatz solcher Clips ist nicht zwingend erforderlich, da während des Wiederbefüllens keine Tinte aus dieser Öffnung austritt, sofern alles korrekt durchgeführt wird. Sollte allerdings etwas schiefgehen, ist es ganz praktisch, wenn nicht sofort die gesamte Tinte aus der Austrittsöffnung rausläuft.

Gruppenbild Utensilien
Benötigte Utensilien


Heißklebepistole
Handelsübliche Heißklebepistole aus dem Baumarkt


Belüftungskanal Nahaufnahme
Der Belüftungskanal sollte wärend des Refills verschloßen werden.

Universal-Clip
Der Universal-Clip von Enderlin
Das Bohrloch

Das Loch, durch das die Patrone befüllt wird, ist oben über der Vorratskammer, innerhalb einer kleinen Vertiefung anzubringen. Die Lochgröße sollte zwischen 2,5mm und 3mm betragen. Es ist dabei zu beachten, dass durch dieses Loch nicht nur die Kanüle der Spritze passen muss. Gleichzeitig muss auch die durch die Tinte verdrängte Luft aus diesem Loch entweichen können. Bei meinem ersten Versuch, eine Patrone zu befüllen, habe ich dieses Loch etwas zu knapp bemessen. Zwischen der Kanüle und dem Lochrand bildete sich immer ein dünner Film aus Tinte. Durch die ausströmende Luft kam es zu einer verstärkten Bläschenbildung. Das ist an sich kein Problem, allerdings neigen kleine Bläschen zum Platzen und dabei verspritzen sie winzige Tintentröpchen in einem Umkreis von einigen Zentimetern. Die Patrone selbst wird natürlich auch eingesaut.

Unnötig groß sollte man das Loch natürlich auch nicht bohren, da man es ja auch wieder luftdicht verschließen muss. Und je kleiner das Loch ist, desto unproblematischer kann das bewerkstelligt werden.

Am einfachsten läßt sich das Loch mit einem Akkubohrer und einem entsprechend großen Holz- oder Metallbohrer in die Patrone bohren. Dabei kann es allerdings vorkommen, dass kleine Plastikspäne in die Patrone fallen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen stellt das aber kein Problem dar.

Bohrloch
Das Loch zum Befüllen der Patrone wird in einer kleinen Vertiefung über der Vorratskammer angebracht.
Tinte marsch

Jetzt wird's ernst: Die Kanüle auf die Spritze aufstecken und ausreichend Tinte in die Spritze aufziehen. Die BCI-6-Patronen fassen maximal 13ml, somit empfiehlt es sich mindestens 15ml in die Spritze aufzuziehen. Sofern die Patrone komplett leer gedruckt ist, erstmal die Vorratskammer halb befüllen und beobachten, wie der untere Schwamm in der Schwammkammer sich vollsaugt. Dann die Vorratskammer zügig komplett mit Tinte auffüllen und mit der Heißklebepistole das Bohrloch verschließen. Empfehlenswert ist es aber, die Patrone bereits dann zu befüllen, sobald der Drucker das erste mal meldet, dass die Patrone fast leer sei. In diesem Fall ist der untere Schwamm noch mit Tinte gesättigt und die Vorratskammer kann ohne Absetzen komplett aufgefüllt werden.

Kleber auf Bohrloch
Das Loch zum Befüllen der Patrone wird mit Heißkleber luftdicht verschlossen.
Qualitätskontrolle

Bevor man die Patrone wieder in den Drucker einsetzt, sollte man natürlich kontrollieren, ob alles wunschgemäß funktioniert hat. Der erste Blick sollte auf die Schwammkammer gerichtet werden. Nur der untere Schwamm darf mit Tinte gesättigt sein. Der obere Schwamm muss deutlich trockener sein. Das obere Ende des oberen Schwammes ist bei fabrikneuen Patronen ja weiß, also gänzlich frei von Tinte. Das sollte nach dem Refill noch genau so sein.

Ist auch der obere Schwamm komplett mit Tinte vollgesogen, dann hat man etwas falsch gemacht. Es ist jetzt deutlich zuviel Tinte in der Patrone, das Gleichgewicht aus Schwerkraft und Unterdruck passt nicht und Tinte wird aus der Auslassöffnung austreten. In diesem Fall ist noch nichts verloren. Am besten stellt man die Patrone in ein kleines Schüsselchen und entfernt den Universal-Clip (sofern überhaupt vorhanden) von der Auslassöffnung. Jetzt kann man in aller Ruhe abwarten, bis die überschüssige Tinte aus der Patrone ausgetreten ist. Allerdings sollte man darauf achten, ob man die Patrone wirklich luftdicht verschlossen hat. Denn es darf nur die Tinte austreten, die zuviel in der Schwammkammer ist. Läuft auch Tinte aus der Vorratskammer aus, dann ist die Patrone nicht dicht.

Im Normalfall, wenn in der Schwammkammer nur der untere Schwamm mit Tinte gesättigt ist, entfernt man einfach den Universal-Clip von der Auslassöffnung. Es darf keine Tinte austreten, ansonsten ist die Patrone undicht. Als letztes entfernt man den Tesafilm, der den Belüftungskanal der Patrone verschließt. Das darf auf keinen Fall vergessen werden, da ansonsten keine Tinte in den Druckkopf fließen kann.

Nun kann die Patrone wieder in den Drucker eingesetzt werden. Es empfiehlt sich, einen Düsentest ausdrucken zu lassen um die Funktion der Patrone zu testen. Bei Bedarf kann eine Druckkopfreinigung erforderlich sein.

oberer Schwamm trocken
Nach dem Refill sollte nur der untere Schwamm mit Tinte gesättigt sein.

oberer Schwamm nass
Ist nach dem Refill auch der obere Schwamm mit Tinte gesättigt, muss die überschüssige Tinte aus der Patrone auslaufen.
Fazit

Grundsätzlich ist es kein Problem, eine BCI-6 oder BCI-3 Patrone aufzufüllen. Man sollte aber auch einplanen, dass der erste Versuch in die Hose gehen kann. Ich habe bei meinem ersten Refill-Versuch zwei Fehler begangen:

Zum einen habe ich das Bohrloch zu klein bemessen, was zu der oben beschriebenen Bläschenbildung führte.

Der zweite, schwerwiegendere Fehler war, dass ich vergessen hatte, den Belüftungskanal zu verschließen. Im Endeffekt hatte sich die komplette Schwammkammer mit Tinte vollgesogen. Allerdings ließ sich auch diese Patrone noch verwenden, nachdem die überschüssige Tinte ausgetreten war.

(ah)